Jamie- Ein Angsthund startet ins Leben

Diese Woche konnte ich Stefanie dafür gewinnen uns etwas aus dem Leben ihres Jamie zu erzählen.
Jamies Start ins Leben war sicher nicht das was man GLÜCKLICH, BEHÜTET und SCHÖN nennen würde, aber er hat seine Menschen gefunden und geht nun seinen Weg ….. zusammen mit Stefanie und Leonie .. und hier kommt seine Geschichte

Jamie- Ein Angsthund startet ins Leben

Heute Morgen im heimischen Garten; die Herbstsonne lacht vom strahlend blauem Himmel herab und ich beschließe, dass ich heute der perfekte Tag ist, um meine Äpfel vom Baum zu holen. Ich nehme meine beiden Hunde, Leonie und Jamie mit raus, schnappe mir noch ne Kiste für die Äpfel und meinen Apfelpflücker.
Jamie läuft schon mal voraus zum Apfelbaum, da sich auf dem Boden schon heruntergefallene Äpfel befinden, die ihm ausgezeichnet schmecken.
Er und Leonie machen sich gleich über diese her, bis… … bis ich den Apfelpflücker hoch nehme, um die Äpfel aus der Krone des Baumes zu pflücken.
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Leonie futtert genüsslich weiter, während Jamie sich mit geduckter Haltung von mir entfernt. Ich nehme den Apfelpflücker wieder runter, lege ihn auf den Boden und ermutige Jamie, zu mir zu kommen. Langsam, mit ängstlichem Blick kommt Jamie in einem Bogen zu mir geschlichen. Ich berühre den Apfelpflücker, versuche ihm zu zeigen, dass das Gerät ihm nichts tut.
Ich hebe ihn an. Jamie ist leider noch nicht von der Harmlosigkeit überzeugt. Ich lege den
Apfelpflücker auf zwei Blumenkübel ab und lasse Leonie darüber hüpfen. Jamie guckt mich an, ich spreche ihm Mut zu. Jamie überlegt…. er zögert…. und er springt!! Partyyyyy!!!!!
Ich bewege das Gerät, Jamie springt wieder und wieder und nochmal. Ich gehe mit dem Pflücker zum Baum, pflücke einen Apfel, Jamie darf sich den aus dem Sack des Pflückers nehmen, die Gefahr ist gebannt, beide Hunde spielen gemeinsam, während ich die restlichen Äpfel vom Baum hole.
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Gedanklich lasse ich die letzten drei Jahre mit Jamie Revue passieren… Ich lernte Jamie auf einer  Geburtstagsfeier kennen, er war gerade aus Rumänien aus einer Tötungsstelle freigekauft worden und lebte seit wenigen Tagen auf seiner Pflegestelle. Eigentlich war bei mir noch kein zweiter Hund geplant, zumindest noch nicht und wenn, dann sollte es ein Border Collie werden. Der Züchter war schon ausgesucht, aber nun sollte es doch anders kommen. Ich sah Jamie, mager und ängstlich war er. Da meine Hündin Leonie nicht mit auf der Feier war, beschäftigte ich mich etwas mit Jamie, denn ohne Hunde bekomme ich ziemlich schnell Entzungserscheinungen. Ich sah, dass er sehr komisch lief und erfuhr, dass er ein gebrochenes Bein hatte. Ich tüddelte weiter mit ihm herum und sagte den anderen Geburtstagsgästen, sie sollen mir schnell Argumente liefern, warum ich Jamie
nicht nehmen könnte. Es waren sich alle einig, dass Jamie sehr gut zu mir passen würde. Dann hörte ich mich sagen, „ok, dann probieren wir mal, ob Jamie sich mit Leonie versteht und dann entscheide ich…

“ Naja, eine Woche später zog Jamie alias Sir James bei mir und Leonie ein.
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Unser Abenteuer begann. Jamie war ein sehr ängstlicher Hund. Er kannte weder Treppen noch unterschiedliche Untergründe. Ich wohne in einem zweistöckigem Haus und meine Hunde dürfen jede Nacht bei mir oben im Schlafzimmer schlafen. So auch in Jamies erster Nacht bei mir. Am nächsten Morgen stellten Jamie und ich fest, dass die 13-Stufige Treppe doch ein arges Hindernis für ihn darstellte. Mit viel Zuspruch und neben ihm Stufe für Stufe hinuntergehen, meisterte er aber auch das. Aber auch ein ganz normaler Hundealltag gestaltete schwierig. Es war Herbst, die Blätter wehten, was für Jamie sehr bedrohlich war. Flatterband von Baustellen, waren Monster, genauso wie Mülleimer oder große Autos. Jamie und ich waren beide verzweifelt, er weil er Angst hatte, ich, weil ich noch keine Idee hatte, wie ich ihm helfen kann. Zuhause wollte ich ihn dann auf den Clicker konditionieren. Ich hielt den Clicker in der einen Hand und kleingeschnittene
Würstchen in der anderen. Ich betätigte den Clicker… … und Jamie geriet ihn Panik vor dieses Geräusch. Ich wollte nicht aufgeben und nahm einen Kugelschreiber und clickte mit diesem. Für Jamie war dieses Geräusch im Toleranzbereich. Nach einiger Zeit konnte ich mit ihm mit einem Softclicker arbeiten, heute auch mit einem ganz normalen.

Ich begann, ihm die Dinge zu zeigen. Ich nahm Flatterband in die Hand, wickelte Leonie darin ein und Jamie begriff, dass ihm dieses nichts tut. So machte ich es auch mit vielen anderen Dingen, die ihm Angst machten. Ich faste diese an, ließ auch Leonie diese berühren. Jamie vertraute mir immer mehr. Um so mehr Dinge er kennenlernte, um so souveräner wurde er.
Zwischenzeitlich bin ich allerdings auch an meine Grenzen gestoßen. Es viel Jamie an einem Tag sehr schwer, die Treppe im Haus hinunterzugehen. Ich konnte ihm nicht helfen, reagierte dann genervt, weil ich so enttäuscht war, dass ich ihm nicht helfen konnte. Zu meiner Überraschung ging Leonie dann zu Jamie und fing an, ihn zum Spielen zu animieren. Jamie ging da gleich drauf ein und in diesem Spiel mit Leonie schaffte er es tatsächlich die Treppe ohne mich hinunterzugehen.
Ich war so stolz auf meine beiden. Seitdem geht Jamie die Treppe alleine rauf und runter.
Wenn ich das alles Revue passieren lasse, wird mir bewusst, wie viel wir erreicht haben. Aufgrund seines kaputten Beines habe ich viel Muskelaufbau betrieben.
Es hieß, Jamie wird nie normal laufen können. Heute merkt man kaum noch etwas von seinem kaputten Bein, die Tierärzte sagen, er darf alles machen, was andere Hunde auch machen.
Ich habe mit Jamie sehr viel gearbeitet, wir sind zu einem Team geworden.
Mein Angsthund läuft mit mir auf Rally Obedience Turnieren mit und hat sich schon für die Klasse 2 qualifiziert. Mitte Oktober haben wir die Begleithundeprüfung
bestanden und sogar den dritten Platz gemacht.
Dieses Jahr hatte er mit mir seinen ersten Start im Dogdance. Der Angsthund kam wieder raus, der Ring war komplett geschlossen und es war windig, aber was solls, das Lied zu dem wir gestartet sind ist bei uns Programm:

„Lean on me, when you’re not strong
And I’ll be your friend
I’ll help you carry on “

(P.S. in der Wertung Hund Mensch Team bekamen wir die Bewertung: Außergewöhnlich)

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Liebe Stefanie, ich durfte Dich und Deine Mäuse ja letztes Jahr bei Elena auf dem Trickturnier kennenlernen.
Ich bin ganz begeistert was du mit Jamie geschafft hast und freue mich schon SUPER DOLL drauf euch im nächsten Jahr hoffentlich wieder auf dem Event treffen zu können.
Jamie und Leonie sind 2 absolute Goldschätze und die Arbeit die du reingesteckt hast, wirst du 1000fach zurück bekommen 🙂

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Ein Gedanke zu “Jamie- Ein Angsthund startet ins Leben

  1. Dini mit Rasselbande schreibt:

    Eine wirklich mitreissende undrührende Geschichte! Auch ich habe die drei kennengelernt, denn auch Leonie ist ein Drittel dieses Dreiergespanns und ein wichtiger Bezugspunkt für Jamie und gerade das finde ich so toll, dass auch das von Steffanie erkannt wurde.
    Auch ich freue mich drauf euch nächstes Jahr wieder zu sehen!

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