Wenn man den Tod mit adoptiert ….

… der Titel hat euch erschreckt.  Ein bisschen Absicht war schon dabei,

denn nun möchte euch Katharina erzählen wie sie immer wieder alten und kranken Hunden aus dem Tierheim und anderen Quellen ein paar schöne, geliebte Wochen und Monate bereitet, damit sie nicht allein und vergessen ihr Leben beenden müssen.  
Vielen Dank, dass ich hier über mein Herzensthema schreiben darf.

Die größte Angst, die wir Hundehalter alle teilen, ist die Angst vor dem Tag des Abschieds. Meistens ist dieser am Tag des Kennenlernens ja zum Glück noch in weiter Ferne und wenn er da ist, dann ist es tröstlich, dass unser Freund mit dem Gedanken geht, geliebt zu werden. Wie schlimm muss es für einen Hund im Tierheim sein, allein im Zwinger von dieser Erde zu gehen? Genau um diese Hunde kümmere ich mich. 

Mein erster Hospizfall war nicht geplant. Meine Familie hatte schon immer Hunde, aber durch mein Berufsleben konnte ich eine Zeit lang keinen eigenen haben. Da war ich dann im Tierheim Gassi, denn ohne Hunde ging es einfach nicht. Durch einen Autounfall wurde ich jäh aus dem Berufsleben gerissen und als ich wieder soweit fit war, gassi zu gehen, verliebte ich mich ein wenig in Ibo, einen lustigen Labrador-Mix, um die 9 Jahre alt und mit dem Schalk im Nacken.  Ibo war ein Boomerang- Hund, der immer wieder zurückkam. Sei es, weil er über Zäune kletterte, das Meerschweinchen der Kinder fraß oder Türen öffnete.

Ibo mochte mich auch sehr und so planten mein Freund und ich, eine neue Wohnung zu suchen und ihn zu adoptieren. 

Das Haus war gefunden und wir teilten dem Tierheim freudig mit, dass wir Ibo nach den 3 Monaten Kündigungsfrist der alten Wohnung zu uns holen. Die Freude war verhalten: So lange hat Ibo wegen seines Lebertumors nicht mehr zu leben. Für uns war klar, dieser Hund wird nicht im Tierheim sterben, zahlen wir eben 3 Monate lang doppelt Miete. 

Als Ibo zu uns kam, gab man ihm noch allerhöchstens 2 Wochen. Die sollte er in vollen Zügen genießen. Und das tat er. Er lebte auf, unsere Bindung wuchs beständig. Es war, als wären wir schon ewig zusammen. Ja, der Tod stand bei uns vor der Tür, aber wir haben einfach nicht aufgemacht. Jeden Abend bin ich ins Bett und habe ihm gesagt, dass wir die Nacht zusammen schaffen. Jeden Morgen haben wir den Tag geplant. Wir lebten im hier und jetzt und es war eine gigantische Zeit. 

Ein paar Tage vor meinem Geburtstag, Ibo lebte schon 10 Wochen bei mir, schaute mich Ibo morgens an und ich wusste, heute ist der Tag. Die Schmerzen sind zu groß, er hat sein Leben nochmal genossen, es ist Zeit. Er hat sich vom Haus, vom Garten, von den Kaninchen verabschiedet und ist ins Auto. Innerlich am schreien und äußerlich gefasst sind wir zum Tierarzt und er ist friedlich eingeschlafen.  Mit seinem letzten Atemzug begannen bei mir, die Tränen zu fließen. Noch heute rollen meine Tränen, wenn ich daran denke. Als wir aus der Praxis sind, sahen wir einen Regenbogen. Ja, Ibo hat sogar daran gedacht, sich die Regenbogenbrücke zu bestellen. Es war wirklich der richtige Zeitpunkt.

Am Tag vor meinem Geburtstag fand ich per Zufall im Internet auf einer Tiervermittlungsseite einen Hund, der Ibos Blick hatte. An meinem Geburtstag fuhren wir hin und der als ängstlich bekannte Jack kuschelte sich an mich. 

Ibo hatte seine Pfoten im Spiel. Auch Jack hatte einen Lebertumor. Doch er lebte nicht 2 Monate, sondern 2 Jahre bei uns.  Auch Jack und ich erlebten viel und genossen die Zeit sehr intensiv. 

Als Jack ging, kam Dusty, 5 Jahre alt, relativ gesund, ein Scherzkeks und voller Lebensfreude. Der Tod sollte einfach mal ein bisschen Urlaub machen und nicht vor unserer Tür stehen. Doch schon ein Jahr später fragte ich meine Tierärztin, ob ich nicht Platz für eine süße Schäferhündin hätte, der man einen 2 kg Gesäugetumor entfernen musste. Mein Freund liebt Schäferhunde und er und Hexe hatten sofort die Verbindung, die mich und Ibo einte. Hexe lebte bei einem Schäfer im Stall, sie kam am Schluss kaum noch raus, war nur in ihrem Loch gefangen. Sie kannte nichts, als wir sie holten und war ganz erstaunt, dass sie ins Haus darf. Es dauerte Monate, bis sie aufs Sofa kam. Hexe war ein Goldstück, unendlich dankbar und so unglaublich liebevoll. 

Sie half mir, ein verwaistes Katzenbaby aufzuziehen, sie war immer da, wenn es jemandem schlecht ging.  Der Tod ging an unserer Tür vorbei und fand, Hexe darf noch ein wenig ein schönes Leben genießen. Fast 5 Jahre lang. 

Kurz vor Weihnachten 2013 sah ich Benji im Internet. 

Benji war ein 17 jähriger Terrier-Opa, der 550 km von uns entfernt im Tierheim saß. Eigentlich wollten wir keinen 3. Hund, aber mit 17 Jahren Weihnachten im Tierheim verbringen? Das konnte und wollte ich nicht zulassen, und da Hexe und Dusty sehr verträglich sind, bin ich kurzerhand los und habe den alten Mann nach Hause geholt. Auch Benji strahlte eine unglaubliche Dankbarkeit aus. Er kam ins Haus und wusste, da gehört er hin. Es gab keine Streitereien mit den anderen, er war da, als wäre er nie woanders gewesen. Anfang 2016 fingen dann die Probleme an: er brauchte eine Windel, die Knochen taten weh, er wollte kaum noch raus. Aber er zeigte ganz deutlich, dass er noch leben will. Benji und ich kuschelten sehr viel. Der Tod stand vor der Tür, winkte durchs Fenster, aber wir ignorierten ihn. Bis Benji mir eines Abends deutlich zeigte, er kann nicht mehr. Am Morgen wachte er einfach nicht mehr auf. Die Windel war trocken, er ist also friedlich hinübergeglitten.

Ich werde oft gefragt, ob es nicht schwer ist, Rentner aufzunehmen. Ob es nicht ständig weh tut, den Tod als dauernden, lauernden Gast bei sich zu wissen. Natürlich ist es nicht einfach. Ichmusste mich in 6 Jahren von 4 Hunden verabschieden und habe jetzt zum ersten mal einen Hund, den ich durch das Leben und nicht nur durchs Alter begleite. 

Doch eigentlich bin ich der egoistischste Mensch überhaupt. Denn die Freude und Dankbarkeit, die ein Oldie zeigt, ist durch nichts zu ersetzen. Außerdem haben mir meine alten und kranken Tiere meinen neuen beruflichen Weg gezeigt. Denn ich habe mich so sehr mit der richtigen Ernährung  und natürlichen Mitteln zur Unterstützung befasst, dass ich mich dazu entschieden habe, eine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin zu machen und anderen Tieren zu helfen 

Was ist also mein Geheimtipp? Eigentlich nichts besonderes

Lebe jeden Tag, als wäre es der letzte. Plane nicht voraus. Ich denke mir immer, wir schaffen noch einen Tag,  So werden aus Tagen Wochen und aus Wochen Monate. 

Wenn der richtige Moment da ist und dein Tier erlöst werden möchte, dann spürst du das ganz deutlich. Jedes mal, wenn ein Tier einzieht, habe ich angst vor dem Moment und doch ist es dann jedes mal völlig klar. 

Altern und Sterben ist für euer Tier ein natürlicher Prozess. Im Gegensatz zu uns Menschen verstehen das die Tiere auch. Sie haben keine Angst, zu gehen. Aber sie spüren unsere Sorgen. Je mehr ich mein Tier unnötig schone, weil es alt ist, umso schlechter fühlt es sich. Erfreut euch an den schönen Momenten und genießt die Ruhe, die ein Rentner ausstrahlt. Das hat einen ganz besonderen Zauber.

Katharina ich danke dir für diesen sehr emotionalen Artikel zu einem wirklich schwierigen Thema. 

Wer mehr über Katharina wissen möchte findet sie bei Facebook 

Katharina Renn

Tierheilpraxis Karhuni

Und natürlich auf ihrer Homepage 

Tierheilpraxis Karhuni

Advertisements

2 Gedanken zu “Wenn man den Tod mit adoptiert ….

  1. Nicole schreibt:

    Ein wundervoller Artikel.
    Vielen Dank für deine Worte zu diesem schwierigen Thema, vor allem die Aussage „Je mehr ich mein Tier schone, weil es alt ist, desto schlechter fühlt es sich“ sind so wahr!

    Gefällt mir

  2. Dini mit Rasselbande schreibt:

    Liebe Katharina, es ist eine so tolle Sache und ich ziehe meinen Hut vor dir! Ich selber begleite die Hunde ihr komplettes Leben und würde es mich nicht trauen einen Rentner dazu zu holen.
    Ein wundervoller ARtikel mit viel Gefühl, danke dafür!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s