Mit Hund in Australien – Erfahrungsbericht

Hallo ihr Lieben,

heute habe ich einen ganz spannenden Gastbeitrag für Euch.

Die liebe SUE ist nämlich mit ihrem Hund JACK nach Australien ausgewandert, zumindest für eine gewisse Zeit wird sie dort leben, lieben, arbeiten, studieren und vieles mehr.

Ihr Bericht dazu ist spannend und sehr informativ für diejenigen, die immer schonmal wissen wollten WIE GEHT SO WAS

 

Gastbeitrag HUND IN AUSTRALIEN (Sue Häfner)

Erzähl mir doch als erstes ganz kurz etwas über dich und deinen Hund. Wer seid ihr im Einzelnen?

Ich bin Sue Häfner, 27 und meine Fellnase ist Jack, bald 3 Jahre und ein trickbegeisterter red-tri Australian Shepherd Rüde. Ich habe mir schon seit ich klein war einen Hund gewünscht, doch diesen Traum leider erst mit meinem Auszug aus dem Elternhaus erfüllen können. Und das ist er jetzt auch: ein absoluter Traum(hund). Das liegt an seinem lernfreudigen Charakter und daran, dass wir einfach alles gemeinsam machen und so sehr viel voneinander lernen.

Wie kam es dazu, dass du nach Australien gegangen bist?

Während meinem Studium in Würzburg hatten wir immer mal wieder Austauschstudenten. Einer davon war Hedley aus Darwin, Australien. Das war 2010. Wir haben uns sofort sehr gut verstanden und der Kontakt ist auch nach seinem einjährigen Aufenthalt nicht abgebrochen. Anfang 2014 gingen die Gespräche dann in eine immer persönlichere Richtung und als er dann im Mai zu Besuch kam, hat es endgültig gefunkt.

Das Timing war gut, ich war kurz davor mein Masterstudium zu beenden und konnte nun mein Leben neu ausrichten. Er ist Inhaber einer Webdesign und Online Marketing Agentur, daher war die Entscheidung leicht, in welchem Land das Zusammenleben ausprobiert werden sollte.

Export Zertifikat

Was musste im Vorfeld für deinen Hund beachtet werden?

Nachdem die Entscheidung gefallen war, nach Australien zu ziehen, kam erstmal die Ernüchterung: Die Vorbereitungen um Jack mitnehmen zu können, würden 6 Monate dauern. Das liegt hauptsächlich daran, dass man den Zeitraum zwischen Tollwut-Impfung und entsprechendem Titertest (RNATT) einhalten muss. Aber auch andere Impfungen und Bluttests müssen in einer genauen Reihenfolge und in einem bestimmten Zeitraum erledigt werden. Ich war quasi alle 2 Wochen beim Tierarzt. Die Einreisebedingungen sind sehr strikt. Wenn man sich aber gut vorbereitet, kann man die Zeit, die der Hund in Quarantäne verbringen muss auf 10 Tage reduzieren.

In Kürze:

Tollwut-Impfung + Titer Test, Anmeldung und Zahlung für das „Import Permit“, Buchung und Zahlung der Quarantine Station (+Buchung und Zahlung des Fluges), aktuelle Impfungen (Staupe, Hepatitis, Parvovirus, Para-influenza, Zwingerhusten), Parasitenvorbeugung (z.B. Spot-On gegen Zecken/Flöhe und Tablette gegen Würmer) und ein negativer Bluttest (Ehrlichia canis, Brucellose, Leishmaniose, Leptospirose).

Man kann die genauen Bedingungen auf der Seite des Department of Agriculture nachlesen (http://www.agriculture.gov.au/cats-dogs). Hier gibt es auch einen „Step by Step – Guide“, der es einem leicht macht, nichts zu vergessen (17 Steps).

Kurz vor Abflug war bei uns der schlimmste Moment – Jack wurde positiv auf Leishmaniose getestet (IFAT test). Damit hätte er nicht einreisen dürfen. Uns wurde dann gesagt, dass wir es in einer Woche noch mal probieren könnten, da der Grenzwert nach Tagesform fällt oder steigt. Dann der Schock: der 2. Wert war nun sogar höher! Um doch noch den Flug zu erwischen, haben wir dann die 2. Art Bluttest gemacht (ELISA), und dieser Test kam 2 Tage vor Abreise negativ zurück.

box

Hat der Flug reibungslos geklappt? Wie war die Abwicklung mit den Behörden?

Alle beteiligten waren sehr freundlich und hilfsbereit. Die Tierfluggesellschaft (Jack ist mit GRADLYN von Frankfurt aus geflogen) hat ab Abflug alles weitere Bürokratische übernommen, ich musste ihnen nur alle relevanten Dokumente übergeben. Jack kam gesund und munter in Sydney in der Quarantänestation an, die netten Mitarbeiter dort haben mich davon auch sofort per E-Mail benachrichtigt. Leider gab es dann doch ein kleines Missverständnis: Ich dachte ich kann Jack innerhalb der 10 Tage Quarantäne besuchen kommen – dem war aber nicht so. Nur bei längeren Aufenthalten in der Station wird dem Besitzer Besuchszeit gewährt.

Ich würde auf alle Fälle empfehlen, alle wichtigen Dokumente in Kopie bei sich zu tragen und auch eine digitale Version zum schnellen Verschicken an Behörden zu haben (z.B. in der Dropbox).

Die Steuermarken-Registrierung in Darwin war übrigens auch ganz leicht – einmal kurz aufs Amt, für ein Jahr die Steuer bezahlen und dann bekommt man schon die Marke fürs Halsband. Leider sind diese hier aus Plastik und haben eine schlechte Form.

Vergleich Hundehaltung Deutschland – Australien. Gibt es starke Unterschiede?

Ja, die gibt es. Ich kann natürlich nur für das Northern Territory sprechen – den Bundesstaat, in dem ich wohne. Hier werden Hunde mehr objektifiziert, sind weniger Familienmitglied. Tagsüber bleiben sie im Garten, während ihre Menschen auf der Arbeit sind. Viele schlafen auch nachts im Garten oder auf der Veranda. Die größeren Rassen werden als Grundstück-Schutzdienst genutzt, kleine Rassen als Schoßhund für die Frau.

Die meisten Hunde bekommen hier im Norden Australiens kein oder nur wenig Training. Dies ist aus Sicht der Besitzer nicht nötig, die Hunde bleiben ja den ganzen Tag im Garten (nur die Hälfte bekommt täglich Auslauf außerhalb des Grundstücks). Und das Bellen am Zaun stört nicht, da es eben etwaige Einbrecher verjagen soll.

Pet Stores haben hier eine große Auswahl an Außenmöbeln für größere Hunde. Will man ein flauschiges Körbchen für drinnen kaufen, findet man ehr die Größen S und M. Wegen der Hitze gibt es keine Schlecktuben mit z.B. Leberwurst oder Fischpaste zu kaufen.

Generell zeigen Australier ihren Hunden ihre Zuneigung aber vor allem übers Futter. In jedem normalen (Menschen-)Supermarkt gibt es immer ein großes Kühlfach mit frischem Hundefutter.

futter

Wo lebt es sich als Hund besser?

Deutschland. Durch mehr Aufklärung (der Hunde und Nicht-Hunde Besitzer), die durch das vergleichsweise eng besiedelte Deutschland nötig ist, ist generell mehr Akzeptanz da. Das gilt für Restaurants, Parks und Arbeitsplätze. In Australien dulden die meisten Restaurants mit Außenbereich Hunde nur auf dem Gehsteig vor dem Gasthaus, viele Parks haben ein generelles Hundeverbot (wegen Verunreinigung und der Angst vor untrainierten Hunden im Freilauf) und den Hund zur Arbeit mitzubringen finden viele erstmal total verrückt und unangemessen. Vorteil an Australien: Da hier im Northern Territory fast jeder ein Hundehalter ist und die Hunde auch nicht wirklich in der Öffentlichkeit präsent sind, gibt es hier auch keine Giftköder.

Das Angebot für Hunde ist leider gering: wenig Hundeschulen, da die Leute hier ihre Hunde selten trainieren (von den Schulen hier in Darwin arbeiten auch nur 15% strikt positiv) und keine Wochenend-Seminare oder Fun-Gruppen (wie z.B. Dogdance, Tricks). Ich habe mit Jack aber eine tolle deutsche Trainerin gefunden, die ihren Trainerschein in Australien gemacht hat und mit der Methodik der operanten Konditionierung arbeitet.

Tierärzte sind hier weniger spezialisiert, es geht wirklich nur um das physische Wohl des Tieres und die Beratung lässt auch sehr zu wünschen übrig. Heilpraktiker gibt es schon gar nicht. Man muss sich also gut mit Hunden auskennen und seinen Hund immer gut beobachten, denn ohne eigenes Wissen und Diagnosen ist man etwas aufgeschmissen.

Je nachdem wo man sich befindet, muss man außerdem das Wetter beachten. In Darwin zum Beispiel ist es meistens sehr heiß, weswegen ich meinen „deutschen“ Australian Shepherd mit seinem langen Fell (und aus Gewohnheit) meistens drinnen habe. Die Klimaanlagen-Luft wiederum hat anfangs seine Haut stark ausgetrocknet und schuppig werden lassen, weswegen ich dann verschiedene Öle zum Futter zuzugeben habe (mit Erfolg!).

Wie lange ist der Aufenthalt für euch geplant?

2-3 Jahre, je nachdem, wann das Heimweh das Fernweh überholt. Und natürlich hängt das auch etwas davon ab, wann Hedley und ich richtig sesshaft werden wollen. Wir überlegen zum Beispiel auch, eine Weile in Amsterdam zu leben.

Würdest du das Abenteuer nochmal eingehen?

Für die Liebe? Immer. Aber (noch) besser vorbereitet.
Z.B. hätten wir an Weihnachten fast nicht unsere Freunde besuchen können, weil die Tierpensionen hier schon im April für Weihnachten ausgebucht sind!

pet taxi

Was würdest du jemandem raten, der auch ein solches Unternehmen vor hat?

Sehr früh informieren bzgl. Einreise (und das Sparen anfangen). Z.B. gibt es seit September letzten Jahres nur noch eine Quarantäne Station und die ist in Melbourne. Somit muss man schon mal die Route von Melboune bis zum eigentlichen Ziel innerhalb Australiens mit einberechnen: Was kostet ein Inlandsflug für den Hund, Pet Taxi von der Quarantäne Station zum Flughafen oder gibt es tierfreundliche Hotels auf dem Weg? Hundestrände?

Hier kann ich das Buch „Pet-Friendly Accommodation on Australia’s East Coast“ von Autorin Carla Francis sehr empfehlen. Mir hat außerdem die Seite http://www.pawclub.com.au sehr geholfen, um gute Übernachtungsmöglichkeiten und Strände für Hunde zu finden.

Homepage: http://bit.ly/2685uuz Email: susanna.haefner@t-online.de Facebook: https://www.facebook.com/sue.hafner.9

Jacks Youtube Kanal: https://www.youtube.com/channel/UCeHUtS6AtwRPxUJBrQwjxLQ

strand

Schreibt mir doch mal Eure Erfahrungen.

War schon mal jemand von Euch für längere Zeit mit seinem Hund in einem anderen Land?

Was gab es für Hürden, positive oder negative Erlebnisse?

Möchtest du darüber vllt einen ganzen Gastbeitrag schreiben?
Dann schick mir bitte eine Nachricht 🙂

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Ein Gedanke zu “Mit Hund in Australien – Erfahrungsbericht

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