GASTBEITRAG – DOGFRISBEE – BJÖRN TIGGES

Hallo Björn, schön dass Du Dir kurz Zeit für uns nimmst 🙂

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Erzähl mir doch als erstes ganz kurz etwas über dich und deine Hunde.
Wer seid ihr im Einzelnen?

Ich heiße Björn Tigges. Meine Lebensgefährtin und ich leben aktuell mit 3 Hunden zusammen. Meine beiden Border Collies (Emma und Bungee) und der Australian Shepherd (Mojito) meiner Lebensgefährtin. Emma ist 12, Mojito ist 8 und Bungee ist 3 Jahre alt.
Ich bin nun seit 2004 mit meinen Hunden im Dogfrisbee unterwegs und ein Ende ist bisher nicht in Sicht.
Aktuell spiele ich im Team eines europäischen Scheibenproduzenten, richte und veranstalte Turniere, gebe europaweit Training und Seminare und bin „European Tournament Director“ der weltweit ältesten Turnierserie.
Darüber hinaus, engagiere ich mich noch bei ein paar anderen Projekten und Kooperationen und unterstütze den einen oder anderen Spieler.

Spielen alle deine Hunde Frisbee?

Ja, meine Hunde spielen alle. Allerdings ist Emma mittlerweile 12 und ich spiele sie schon etwas länger nicht mehr auf Turnieren, Shows und anderen Events. Hier und da zeige ich noch etwas mit ihr auf Seminaren, das reicht uns dann aber auch und der Fokus liegt momentan vermehrt auf meiner Kleinen (Bungee).
Mojito ist leider ein wenig eigen mit wem er spielt und mit wem nicht.
Im Klartext bedeutet das: Er spielt halt nur mit Frauchen wirklich gerne und lässt mich gerne auch mal stehen, weil es für ihn wichtigeres gibt. Aber ein paar Dinge bekommen wir zusammen hin und wenn wir mal alleine unterwegs sind, spielt er auch großzügiger weise mal mit mir.
Mit Frauchen rockt er aber ganz ordentlich das Feld!

Wie bist du auf den Frisbee Sport gekommen?

Durch Zufall. Eigentlich wollte ich mich nur mit meinen Hunden beschäftigen und war wohl der 0-8-15 Hundeschulkunde. Ein wenig Agility, Dummytraining, Tricksen und Alltagstraining. Dann kam irgendwann Dogdance dazu und das fand ich schon echt cool. Meine Lebensgefährtin besuchte dann irgendwann mal ein Frisbeeseminar und brachte mir diese „Plastikteller“ mit. Werfen, fangen, apportieren… Ich fand es doof! Ein paar Wochen später, waren wir als Zuschauer auf einem Dogdance Turnier. Wie es der Zufall wollte, gab die Frau, bei der meine Lebensgefährtin das Seminar besuchte, dort eine kleine Pausenshow…
DAS IST ALSO DOGFRISBEE, WOW!
5 Monate später gewann ich bei den Anfängern auf der Europameisterschaft in Belgien.

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Foto by Nadine Krei

 

Was sind die Voraussetzungen für einen Hund mit dem man Frisbee spielen möchte?

Im Grunde ist Dogfrisbee nichts anderes als das Fangen und Zurückbringen eines Motivationsobjektes. Dies setzt eine gewisse Motivation beim Hund voraus und bedingt, dass der Hund in der Lage sein sollte, sicher zu laufen und die Scheibe kontrolliert zu greifen. Neben der körperlichen und geistigen Gesundheit sind dies die Grundvoraussetzungen um mit seinem Hund Frisbee zu spielen. Je sportlicher man Dogfrisbee betreiben möchte, desto mehr Faktoren gibt es allerdings zu berücksichtigen (z.B. Größe und Gewicht). Aus dem Grund sollte das Spiel in jedem Fall an den jeweiligen Hund angepasst werden. Es gibt einfach Dinge, die kann man mit einem 14kg Border Collie machen, die aber mit einem 28,5kg Labrador suboptimal sind.

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Foto by Nadine Krei

 

Kann JEDER HUND Frisbee spielen oder gibt es Einschränkungen?

Nein, nicht JEDER Hund kann/sollte Frisbee spielen. Das wohl einfachste Beispiel sind die Hunderassen, die auf Grund von gezielter Selektion gar nicht mehr die anatomischen Voraussetzungen mitbringen Sport zu betreiben. Rennen und Fangen ist für einige Hunde schlicht und ergreifend nicht mehr möglich. Aber auch Rassevertreter von gängigen „Sporthunderassen“ können körperliche und geistige Einschränkungen haben. So gibt es auch bei diesen Rassen Krankheitsbilder, die für mich, jede Form von Sport ausschließen. Mir begegnen auch immer wieder Hunde, die so schwere „Verhaltensstörungen“ aufweisen, dass ich sie in keinem Turniersport führen würde. Trotz dieser Ausnahmen glaube ich, dass die Anzahl der Hunde, die für diesen Sport geeignet sind, viel größer ist, wie die Zahl derer, die es nicht sind.

Was sind die Basics die jeder Hund können sollte, wenn man in den Sport einsteigen möchte?

Einen Einstieg in den Sport zu finden ist gar nicht so schwer und die Basics (Laufen, Fangen, bereitwillige Interaktion mit einem Sozialpartner und einem Motivationsobjekt) sind eigentlich im Repertoire der meisten Hunde vorhanden. Wenn der Hund gesund ist und Spaß am Spiel hat, spricht also erstmal nichts dagegen einfach mal ein Seminar oder eine Trainingsstunde zu besuchen. Etwas entspannter wird so ein Einstieg natürlich, wenn der Hund auch eine rudimentäre Vorstellung von Benehmen besitzt und nicht direkt im Arm oder dem Hund vom Trainer hängt.

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Foto by Nadine Krei

 

Was sollte der Besitzer mitbringen?

Da es sich beim Dogfrisbee um einen Teamsport handelt, sollte der Mensch selbstverständlich über eine gewisse Grundfitness verfügen. Immerhin bewegen sich im Idealfall Mensch und Hund gemeinsam über das Feld und 2 Minuten Werfen und Scheiben sammeln kann durchaus Kondition erfordern. Selbstverständlich muss niemand zu akrobatischen Höchstleistungen im Stande sein wenn er mit seinem Hund spielen möchte. Auch hier ist es entscheidend, das Spiel mit seinem Hund auf die eigenen Fähigkeiten anzupassen. So haben wir auch Menschen über 55 im Sport, die mit den jüngeren Spielern durchaus mithalten können. Auch ein gewisses Talent für den Umgang mit der Scheibe kann von Vorteil sein. Mit etwas Übung sind aber die meisten Menschen in der Lage eine Scheibe für ihren Hund zu werfen und mit etwas mehr Training gelingen auch ausgefallenere Würfe und Tricks. Neben diesen Eigenschaften erwarte ich von aktiven Spielern, dass sie in der Lage sind, ihre Fähigkeiten und die des Hundes einschätzen zu können und mit dem Hund zu kommunizieren. Kein Team dieser Welt kann gemeinsam spielen, wenn man sich nicht versteht.

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Foto by Nadine Krei

 

Ist Frisbee spielen nicht „gefährlich“?

Ich weiß, viele Hundesportler, Trainer, Tierärzte und Physiotherapeuten sehen in dieser Sportart, den Inbegriff des Gesundheitsrisikos für die Hunde. Das halte ich aber für stark übertrieben. Natürlich birgt das Spiel Risiken, die die Gesundheit der Hunde dauerhaft beeinträchtigen können. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Meine Hunde rennen, springen und versuchen dabei noch ein fliegendes Objekt zu fangen. Das erfordert Konzentration, Koordination, Kondition, eine Menge Training und einen adäquaten Aufbau. Aus diesem Grund baue ich das Spiel, die Sprünge und jeden einzelnen Trick, so kleinschrittig wie möglich auf und arbeite eng mit Tierärzten und Physiotherapeuten zusammen. Natürlich kann Ich mich nicht davon frei sprechen, dass auch meine Hunde mal doof springen oder landen, stolpern oder ausrutschen. Ich glaube aber, dass meine Hunde soweit trainiert sind, dass solche Unfälle in der Regel ohne Verletzungen oder gar bleibende Schäden einhergehen.

Häufig wird auch vor Spätfolgen und Verschleißerscheinungen von Hochleistungssport gewarnt. Ja, auch diese gibt es in allen Hundesportarten. Gelenkskopfabnutzung, Arthrosen und diverse andere Risiken sind bekannt und ich bin mir dessen bewusst. In der Regel resultieren diese jedoch aus einer dauerhaften Überbelastung, die ja generell durch ein ganzheitliches Training und einem angepassten Spiel entgegen gewirkt werden soll. Es gibt aber einen Aspekt, den man an dieser Stelle durchaus noch erwähnen sollte. Kein Team ist gezwungen, ein hohes Tempo oder hohe Sprünge zu zeigen um erfolgreich zu sein. Es gibt durchaus Teams, die keinen einzigen Sprung zeigen oder kein atemberaubendes Tempo fahren und trotzdem erfolgreich sind. So ging z.B. bei der Weltmeisterschaft 2014 ein 13 Jahre alter Hund an den Start, fing gemächlich seine Scheiben in einem Radius von 2 Metern und stellte deutlich unter Beweis, dass man diesen Sport bis ins hohe Alter spielen kann.

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Foto by Björn Tigges

 

Worauf sollte man Acht geben in diesem Sport?

Ich glaube man sollte bei jeder Beschäftigung mit dem Hund darauf achten, dass man seinen Hund nicht überfordert. Auch sollte man nicht versuchen, sich über die übertriebenen Leistungen seines Hundes zu profilieren. Primär geht es darum, das körperliche und geistige Wohl des Hundes im Auge behalten. Sei es nun bei den Trainingsmethoden oder den Übungen, die man sich und seinem Hund abverlangt. Falscher Ehrgeiz ist etwas, an dem ein schönes Spiel scheitern und an dem eine tolle Mensch-Hund-Beziehung zerbrechen kann.
Betreibst du mit Deinen Hunden noch andere Sportarten?

Nein, außer dem „bisschen“ Dogfrisbee mache ich keinen weiteren Sport mit meinen Hunden. Klar, ich beschäftige ich mich auch anderweitig mit meinen Hunden. Für eine regelmäßige Nebenbeschäftigung bleibt aber einfach keine Zeit.

Homepage: Chaos-Esthetix

Björn auf Facebook

Email: kontakt@chaos-esthetix.de

Weitere Angaben: §11 Tierschutzgesetz, Abs. 1, Nr. 8d, §11 Tierschutzgesetz, Abs. 1, Nr. 8f

Ich danke Dir Björn für das tolle Interview und gehe jetzt mit Bjelle ein paar Scheiben werfen, denn auch wir sind seid einem Seminar bei Björn infiziert … stecken allerdings noch in den Kinderschuhen.

Vor allem ich muss die Hand-Auge-Scheibe-Hund Koordination noch trainieren

In diesem Sinne

 

HAPPY TRAINING

Das nächste Interview in unserer Reihe wird CORINNA LENZ geben, Autorin diverser Hundebücher

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